Die „Hasenjagt“ war ein Ereignis vom 7. bis zum 12. April 1945, das speziell in Celle während des zweiten Weltkrieges stattfand. Es war eine Treibjagd, bei der entflohene jüdische Häftlinge verfolgt wurden. Heute gilt diese „Hasenjagd“ als das schlimmste Ereignis in der Geschichte der Stadt.

Zu dieser Zeit war der Krieg schon in vollem Gange. Die alliierten Truppen nahmen dabei immer mehr deutsche Gebiete ein. Die Alliierten, das sind die Nationen, die im zweiten Weltkrieg gegen Deutschland kämpften. Meistens sind damit Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA gemeint. Dadurch, dass die alliierten Armeen immer näherkamen, mussten in vielen Teilen des deutschen Reiches die jüdischen Häftlinge in den KZs verlegt werden. Diese Räumung betraf auch das Lager Holzen, welches ein Außenlager des KZ-Buchenwald war. Ein Teil der Häftlinge von dort wurde in Züge verladen und von Holzen aus nach Drütte transportiert. Hier kamen noch mehr Häftlinge aus dem KZ-Neuengamme dazu. Ihre Zahl belief sich damit auf etwa 2800 männliche Häftlinge. Zusätzlich dazu wurden am 7.-8. April noch einmal etwa 1200 Mädchen und Frauen in die Waggons des Zuges gebracht. Somit waren etwa 4000 Menschen in den Waggons eng an eng zusammengepfercht. Während des Transports gab es keine Sitzgelegenheit. Sie durften nichts essen, nichts trinken und nicht auf Toilette gehen. Das Ziel des Transports war das KZ-Bergen-Belsen. Dabei hatte dieser Transport auch einen Zwischenstopp im Güterbahnhof in Celle. Der Vorgang wurde von der SS überwacht und organisiert. Die SS (Schutzstaffel) war ursprünglich die Leibwache von Adolf Hitler, wurde aber nach und nach auch zu einer Kampftruppe. Die SS war vor allem für ihre Brutalität und Grausamkeit bekannt.

Damals wusste man auch in Celle, dass die alliierten Truppen näher rücken. Auch warfen alliierte Flugzeuge häufig Bomben über deutschen Städten ab, um wichtige Militärstützpunkte der Deutschen zu zerstören. In Celle gab es so etwas jedoch nicht. Deshalb ging man davon aus, dass Celle nicht bombardiert werden würde. Allerdings wurde die Eisenbahnlinie von Gifhorn nach Celle von Bombern überflogen, weshalb entschieden wurde den Häftlingstransport von dieser bedrohten Strecke zu holen. So wurde dieser Zug im Güterbahnhof Celle untergebracht. Das war am 8. April um 16 Uhr. Hier sollte auch die Lokomotive des Zuges gewechselt werden und der Zug sollte um 18.15 Uhr weiterfahren.

Dazu kam es aber nicht, denn um 17.45 Uhr wurde Fliegeralarm ausgelöst. 132 Flugzeuge bombardierten den Güterbahnhof und trafen den Häftlingstransport, aber auch einen Munitionstransport. Häftlinge und Aufseher versuchten, dem Chaos zu entfliehen. Dabei gab es hunderte Tote und Verletzte. Der Angriff dauerte 70 Minuten an.

Als die Bomben einschlugen, flohen viele Häftlinge vor den Explosionen, aber auch vor der SS. Denn die SS schoss sofort auf die Häftlinge, die versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Leider gelang es nicht allen zu fliehen.

Die meisten flohen in Richtung Neustädter Holz. Vielen gelang aber auch die Flucht in die Stadt. Die Häftlinge waren in Panik und drangen in Häuser und Keller ein, um Schutz zu suchen. Jedoch wurden sie von der SS verfolgt, die sie aus den Häusern lockte und die Häftlinge mitten auf offener Straße sofort erschoss. Auch andere Organisationen der Nationalsozialisten sahen sich in Celle dazu veranlasst, die jüdischen Häftlinge zu jagen, zum Beispiel die SA. Viele Augenzeugen beschrieben das Geschehen als „Hasenjagd“. Daher der Name. Auch Polizeieinheiten wurden der SS zugeteilt und hatten den Befehl, alle zu erschießen, die sich nicht freiwillig ergaben. Trotzdem ist bekannt, dass die SS und die Polizei wahllos auf Häftlinge das Feuer eröffneten. Die Nachricht, dass Häftlinge entflohen sind, gelangte in Celle auch schnell an die Stadtverwaltung und die Staatsanwaltschaft, die alle zur NSDAP gehörten.

Daraufhin wurde die Jagd auf die entflohenen Häftlinge erst richtig organisiert. Bis tief in die Nacht wurden Häftlinge verfolgt und festgenommen, aber auch einfach erschossen und von der SS hingerichtet. Um Mitternacht wurde gemeldet, dass man die meisten überlebenden jüdischen Häftlinge auf einem Sportplatz zusammengetrieben hatte.

Neben der organisierten Jagd beteiligten sich auch Zivilisten daran. Auch sie erschossen teilweise die Häftlinge ohne zu zögern.

Am nächsten Tag, dem 9. April, lagen noch viele Tote und Verletzte Häftlinge in ganz Celle, bis der Befehl gegeben wurde, die Leichen einzusammeln. Bis zum 10. April wurden in Celle weiter entflohene Juden verfolgt und ermordet. Einige konnten sich aber auch verstecken, bis die Alliierten eintrafen. Insgesamt wurden 1100 Häftlinge wieder eingefangen. Der Rest musste zu Fuß unter der Überwachung der SS nach Bergen-Belsen gehen. Wer nicht mitkam wurde ebenfalls erschossen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Häftlinge ausgehungert, abgemagert und sehrt schwach. Am 12. April endete die „Hasenjagd“. An diesem Tag besetzten nämlich die Engländer Celle.

Die Engländer untersuchten schon sehr früh die Ereignisse vom 7. bis zum 12. April. Sie sammelten Beweise und befragten Zeugen. Viele Täter wollten nicht vor Gericht gestellt werden und brachten sich um oder flohen. Nach den Untersuchungen wurden 14 Personen, die der Polizei, SS oder Wehrmacht angehörten, vor ein Gericht gestellt. Dabei wurde festgestellt, dass in etwa 300 jüdische Häftlinge damals in Celle ermordet wurden. 7 der 14 Angeklagten wurden freigesprochen, 4 wurden zu längeren Haftstrafen und 3 wurden zum Tode verurteilt. Die Todesurteile wurden später jedoch wieder aufgehoben. Dieses Gerichtsverfahren ist heute als das „Celle Massacre Trial“ bekannt.